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Kreuzbergkirche

Ein Wegkreuz, eine Kapelle, eine Kirche, eine jährliche Feier, das sind die Stationen zum Vilsecker Kreuzbergfest.

Im Jahre 1730 ließ – nach den Aufzeichnungen des Vilsecker Arztes Dr. Grässmann – der Förster von Vilseck, ein gewisser Martin Schneider, durch den Bildhauer Ulrich Poll ein hölzernes Kreuz fertigen und an der Triebwegbrücke, die zum Bürgerwald führt, aufstellen.

Der Legende nach nahm eine Frau das Kreuz, das 20 Jahre nach dem Tod seines Stifters zusammengefallen war, samt dem Christus zum Verbrennen mit nach Hause. Aber der Christus verbrannte nicht ganz, ein Arm blieb völlig unversehrt.

In Wirklichkeit jedoch hat ein Schreiner den morschen Kreuzstamm ausgebessert, das Christusbild mit einer schützenden Holzverkleidung umgeben und auf dem Weg nach Neuhammer an einem Föhrenbaum befestigt. 1763 ließ Stadtpfarrer Gärtner das Christusbild auffrischen, an einem neuen Kreuz befestigen und in der dem Traubenwirt Heinrich Meyer gehörenden Kapelle auf dem Triebwegberg aufstellen.

Nach 40 Jahren war diese kleine Kapelle so baufällig geworden, dass sie aus Sicherheitsgründen abgerissen werden musste. Das vom Volk seit 70 Jahren verehrte Kreuz kam zunächst in die Pfarrkirche, bis es im Jahre 1820 zum Fest der Kreuzerhöhung, dem 14. September, seinen alten Platz auf dem Berg in feierlicher Weise wieder einnehmen konnte.

1823 wurde der Grundstein zum Aufbau einer neuen Bergkirche gelegt und vier Jahre später die Kirche feierlich eingeweiht. Die Verehrung des Kreuzes wuchs, und die Kirche erwies sich besonders am Kreuzbergfest als zu klein. Deshalb wurde 1849 ein Erweiterungsbau begonnen. 1862 war der Bau vollendet und 1863 wurde der bisherige Altar durch einen größeren ersetzt. Gleichzeitig bekam die Kirche zwei Seitenaltäre, die Kanzel, neue Bänke und zwei Beichtstühle. Der Kreuzweg in der Linden-Allee wurde um 1840 angelegt.

Zur weiteren Förderung der Kreuzverehrung auf dem Berg hatte die Pfarrei im Jahr 1865 von Rom einen Ablass erwirkt, der zunächst auf 10 Jahre gewährt wurde. Papst Leo XIII verlieh am 6. März 1885 dann „auf ewige Zeiten“ einen vollkommenen Ablass „allen Gläubigen beiderlei Geschlechts, welche nach reumütigem und würdigem Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altares die zu Ehren des heiligen Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus errichtete Kirche bei Vilseck andächtig besuchen und dort nach der Meinung des Heiligen Vaters beten“.

Unter Pfarrer Riedhammer kam das Kreuzbergfest zu neuer Blüte. Anlässlich der 200-jährigen Gedenkfeier der Aufstellung des Kreuzes und des Jubiläumsjahres unserer Erlösung wurde das Bergfest 1933 mit besonderen Feiern begangen. „Begeisternd wirkte die Lichterprozession am ersten Sonntag. 2000 Gläubige aus Vilseck und Umgebung zogen betend und singend von der Pfarrkirche zur Bergkirche. Der Zug war so lang, dass die ersten die Kirche erreichten, als die letzten die Stadt eben verließen.“

1872 wurde die Kirche zum ersten Mal restauriert. 1912 bekam sie den jetzigen barocken Hochaltar. Eine gründliche Renovierung erfolgte 1981.

Im Frühjahr 2007 musste sich die Kirchenverwaltung erneut Gedanken über die Sanierung der Bergkirche machen und hat das Bischöfliche Baureferat um Beratung gebeten.

Ausgangspunkt der Überlegungen war der schlechte Zustand der Dachziegel, der über kurz oder lang zu Undichtigkeiten und damit zu Wasserschäden führen musste.

Dachziegel

Dachziegel

Das war aber noch nicht alles, wie sich bei näherem Hinschauen zeigte.

Natürlich musste vor der Erneuerung der Dacheindeckung der Dachstuhl über dem Chor und dem Langhaus saniert werden. Dabei hielten sich die Schäden am Langhaus in Grenzen. Schlechter sah es beim Chor aus. Hier waren frühere Schäden nur notdürftig repariert worden.

Dachstuhl alt Dachstuhl neu

Sanierung Dachstuhl

Der Dachreiter am Westgiebel war ebenfalls in keinem guten Zustand. Hier waren vor allem die senkrechten Stützen auszutauschen. Die Verblechung des Turmhelms musste nur an den unteren, schrägen Flächen erneuert werden. Die Turmspitze mit Kreuz und Kugel wurde komplett erneuert.

Kugel in Turmspitze alt  Kugel in Turmspitze neu

Foto: alte Kugel mit Vogelnest und neue Kugel mit Kreuz

Die Sanierung des Mauerwerks mit seinen vielen Rissen führte dazu, dass auch der Außenputz erneuert werden musste. Zudem wurde rund um die Kirche eine Drainage zur Trockenlegung eingebaut.
Schließlich wurden die schadhaften Sandsteinteile vor allem im Sockel ausgetauscht, Fehlstellen ergänzt, Verfugungen erneuert.

Ein wesentlicher Punkt war dann noch der Zustand der Sakristei - 2 mal 3 Meter, also 6 qm groß, und 1.95 Meter hoch – eine vernünftige Vorbereitung auf den Gottesdienst war hier nicht möglich, die Ministranten mussten sich stets hinter den Hochaltar umziehen.

Sakristei alt Sakristei neu

Foto: Sakristei innen - alt und neu

Eine neue, größere Sakristei sollte also gebaut werden. Neben dem Bereich für den Pfarrer und einem Raum für die Ministranten sollte auch ein WC eingebaut werden. Das vorhandene Hl. Grab musste ebenfalls wieder untergebracht werden.

Hl. Grab alt Hl. Grab neu

Während mit den Sanierungsmaßnahmen bei allen beteiligten Fachstellen Einverständnis herrschte, wurde ein Neubau der Sakristei vom Landesamt für Denkmalpflege abgelehnt. Erst nach langwierigen Verhandlungen und mehreren Ortsterminen wurde eine Kompromiss-Lösung gefunden, die dann auch vom Landratsamt genehmigt wurde.

Mittlerweile war über ein Jahr vergangen. Wenn man bis zum Bergfest fertig werden wollte, musste es jetzt schnell gehen.
Baubeginn war am 5. Mai 2008. Die mögliche Bauzeit – der Beginn des Bergfests war auf den 6. September festgelegt – betrug also gerade mal vier Monate.

Nur aufgrund der Tatsache, dass uns alle beteiligten Handwerker bei dem Bemühen, bis zum Beginn des Bergfestes mit den Arbeiten fertig zu werden, tatkräftig und engagiert unterstützten, war der Termin auch einzuhalten.

Prozession Wegkreuz bei Kreuzbergkirche

Das Bergfest 2008 eröffnete Pfarrer Schindler mit einem Dankeswort über die gelungene Renovierung der Kreuzbergkirche.

Das Programm der Bergfestswoche 2009

(Quellen: 1. Vilsecker Bergfestbüchlein, Einleitung und Zusammenstellung von P. Will SJ, Selbstverlag der Kirchenverwaltung Vilseck, Imprimatur Ratisbonae, die 28. Junii 1935, Dr. Höcht, Vic.gen.; 2. Chronik der Stadt Vilseck; Hrsg: Stadt Vilseck, 1981)

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