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Geschichte der Pfarrkirche 

Aus der Lebensbeschreibung des hl. Wunibald geht hervor, dass um 770 in unserer Gegend das Christentum gepredigt wurde. 777 schenkte Herzog Tassilo Wunibald an der Nordvils eine Kirche; diese Schenkung wurde 791 von Karl d. Gr. urkundlich bestätigt. Ob diese Kirche in Vilseck stand? Jedenfalls stand nach Schultes´ Hist. Schriften hier schon vor 950 eine Holzkirche, wie sie damals üblich war.

In der Regierungszeit Bischof Otto I von Bamberg (1103 – 1128) wurde eine romanische Kirche errichtet. Das Quaderwerk, die romanischen Schlitzfenster, sowie die Nordwand des Turmes geben noch heute von diesem frühen Kirchenbau Zeugnis.

Am 1. September, dem Tag des hl. Ägidius, 1407 fing man an, die jetzige Kirche im gotischen Stil zu bauen. So kann man es in einer Inschrift im Sandstein des zweiten Strebepfeilers der Nordwand des Chores lesen: „anno domini millesimo CCCCVII in die sancti egidii inceptum es hoc corpus“ – wurde dieses Werk begonnen. Fünf Jahre später war der Bau vollendet. Von dieser Kirche ist nur noch der Chor erhalten.

1502 wird erstmals eine Orgel erwähnt, die auf einer damaligen unteren Empore steht. Etwa 400 Jahre später wird dann für 5.785 Mark eine größere Steinmeyer-Orgel gebaut. Das Orgelgehäuse ist verziert mit reichlichen Akanthusschnitzereien. Im Frühjahr 1979 wurde diese Orgel ersetzt durch eine neue Orgel, abermals von der Firma Steinmeyer & Co., aber diesmal zu dem stolzen Preis von 244.900,50 DM! Das historische Gehäuse konnte übernommen werden. 2002 war eine Generalinstandsetzung notwendig geworden.

1520 bekommt die Kirche einen Flügelaltar mit Szenen aus dem Marienleben (Dürerschule). Die geschnitzten Relief-Tafeln dieses nicht mehr vorhandenen Altares sind heute an den Seitenwänden des Chors angebracht. 1714 kommt ein barocker Hochaltar in die Kirche, in den 1766 das heutige Altarbild mit einer Darstellung aus dem Leben des hl. Ägidius eingesetzt wird. Ungefähr zur gleichen Zeit werden die Fresken im Tonnengewölbe des Kirchenschiffes gemalt, der Muttergottes- und  Kreuzaltar sowie die Altäre zu Ehren der hll. Laurentius und Josef im Rokokostil errichtet.

Die Pfarrkirche ist in der langen Zeit ihres Bestehens öfter restauriert und renoviert worden, erstmals 1630. Der  Turm wurde in seiner heutigen Form errichtet. Das Mauerwer ist 27,5 Meter hoch, der spitze Helm misst noch einmal 27 Meter. Damit ist der Vilsecker Kirchturm weit und breit der Höchste!
Dann wurde im großen Stil und von Grund auf in den Jahren 1751 bis 1753 wegen Einsturzgefahr des Westgiebels das bisherige schmale gotische Langhaus abgebrochen und durch einen nach Süden und Norden beträchtlich erweiterten barocken Wandpfeiler-Saal ersetzt, und das ganze Kirchenschiff von einem mächtigen Gewölbe überdeckt.
In neuerer Zeit wurde die Kirche wiederum sehr umfangreich 1938 und 1973 innen und in den Jahren von 1998 bis 2000 außen renoviert; u.a. wurde der gesamte Dachstuhl instandgesetzt, die Dacheindeckung sowie der Außenputz mit Anstrich erneuert und die Sandsteinteile der Fassaden restauriert. 1996 wurde eine „sanfte“ Warmluft-Umluftheizung eingebaut, weil die alte von 1962 wegen des starken Gebläses nur die Empore gut beheizte – man erzählt sich, dass man sich dort auch im Winter mit kurzen Hemdsärmeln aufhalten konnte – während die Gläubigen unten in den Kirchenbänken nach wie vor froren.

Die Kirche ist reich an Geschenken ihrer Pfarrangehörigen. Zwei seien hier besonders hervorgehoben:
1522 stiftete das Ehepaar Georg und Margareta Peugler eine Glocke, fortan „Peuglerin“ genannt, die bei Begräbnissen armer Leute läutet. Sie hat einen Durchmesser von 1,60 m, wiegt 51 Ztr. und kostete 600 fl. Eine Umschrift lautet: „Agnus Dei qui tollis Peccata Miserere nobis Alleluja ANNO DOMINI 1522“ Am Mantel befinden sich zwei kleine Relief-Figürchen, St. Anna Selbdritt und St. Ägidius. 1946 schenkte eine Vilsecker Bürgerfamilie der Kirche für 3000 Reichsmark die Rosenkranzmadonna unter dem Triumphbogen.